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Die Zunfttruhe der Leobner Bierbrauer kehrt zurück

Die Zunfttruhe der Leobner Bierbrauer kehrt zurückFreitag, 15. Mai 2020

Die Zunfttruhe der Leobner Bierbrauer kehrt nach genau dreihundert Jahren wieder in den Arkadenhof zurück

Georg Aschauer, Bierbrauer, erbte 1720 die Gaststätte Arkadenhof „Schwarzer Adler“ und besaß als erster ehrenamtlicher Oberzechmeister die im Hause beheimatete Truhe der obersteirischen Bierbrauerzunft.

Sie war über viele Jahre unauffindbar. Über den Verbleib der Truhe rankten sich seither viele Gerüchte und Mythen. Der Initiative der Familie Dr. Karl Arco, seit 2011 Besitzer des Hauses Hauptplatz 11, und des aktuellen Pächters (seit 1997) Max Klarmann ist es zu verdanken, dass die Zunfttruhe der obersteirischen Brauer wieder den Weg zurück nach Leoben gefunden hat.

Ab heute kann die Truhe der obersteirischen Bierbrauer im Eingangsbereich des Arkadenhofs, nach exakt 300 Jahren, wieder besichtigt werden. Somit ist die historische Gaststätte um eine Attraktion reicher. Zusätzlich sind in einer kleinen Ausstellung Fotos des Arkadenhofs aus verschiedenen Epochen sowie Aufnahmen der Gösser Brauerei zu sehen.

Symbolisch soll die Heimkehr der Truhe auch das Ende der Krise markieren.

Die Zunfttruhe der Leobner Bierbrauer

Die Zunfttruhe oder – lade (Maße ca. 94 cm breit x 69 cm tief x 70 cm hoch) wurde aus höherwertigen Hölzern angefertigt, ist mit Schnitzereien, Intarsien und Malereien versehen. Auf der Vorderseite der Truhe finden sich Malereien des steirischen Panthers, von Gambrinus (einem legendären König, der als Erfinder des Bierbrauens angesehen wurde) sowie das Leobener Wappentier, der eisenfressende Strauß. Auf der Rückseite ist als Intarsien-Arbeit unter anderem das Zunftsymbol der Brauer und Mälzer dargestellt. Zu sehen ist der Bierschöpfer sowie die Malzschaufel. Aufgrund der aufwendigen Verarbeitung lässt sich der hohe Stellenwert der Truhe damals erkennen.

Da die offene Lade im Zeremoniell von großer Bedeutung war, wurde auch die Deckelinnenseite verziert und gestaltet. Zu sehen ist links ein Bildnis des heiligen Florians, einer der Schutzpatrone des Bieres, sowie rechts der Heilige Gaietanus. Welche Bedeutung er hatte, konnte nicht geklärt werden, aber immerhin finden sich  in der einschlägigen Literatur 16 "große" Heilige, die Brauer-, Wirte- und Biertrinker-Patrone sind.

Zwischen den Malereien befindet sich folgender Text:

„Haubt Laad - Eines Ehrlampen Handwerch und löblichen Brüderschaft der Bier:Prey zu Leoben und ganz ober Steyer“

In den Zunfttruhen wurden die wichtigsten Dokumente der Zunft sicher aufbewahrt. Dazu gehörten die von der Obrigkeit gewährten Privilegien, die Zunftbücher mit den Artikeln, Statuten und Namensverzeichnissen, natürlich das Geldvermögen und die Siegelstempel, sicher auch möglichst sonst alles, was zum Wertbesitz der Zunft gehörte, wie Becher, Pokale (Willkomme) und Schenkkannen aus Zinn oder Silber. Zum Schutz vor Veruntreuung hatten mehrere Meister je einen Schlüssel, nur gemeinsam konnten sie die mehrfach gesicherte Lade öffnen. Sie „versinnbildlichte das Prestige und die wirtschaftliche Potenz des Handwerks, seine Ehrbarkeit und Reputation“. Sie spielte auch eine bedeutsame Rolle im Zunftrecht und Brauchtum.

Interessant ist, dass die Zunft bzw. Lade der obersteirischen Bierbrauer erst 1720 entstanden ist. Dem vorausgegangen waren Jahrzehnte lange Querelen zwischen den steirischen Weinbauern und den Bierbrauern, denn die Weinbauern sahen aufgrund der immer zahlreicher werdenden Bierbrauer und dem damit zurückgehenden Weinkonsum ihr Einkommen in Gefahr. Erst nachdem auch die alt eingesessenen Brauereien durch die in jedem Ort entstehenden Kleinbrauereien um ihren Umsatz fürchteten, setzten sie sich vehement beim Kaiser für die Entstehung einer Zunft der steirischen Bierbrauer ein. Allerdings mit dem Hauptargument, „dass sämtliche Handwerksleute in Obersteier ihre ordentlichen Zunftladen und konfirmierten Handwerksordnungen besäßen, kraft der sie u.a. „guete Mannszucht zu erhalten sich befleissen", “nur die Bierbrauer hätten hier nichts von alledem. Man wolle sie doch nicht für richtige Handwerksleute halten und achten, da sie keine Handwerkslade im Lande hätten.“ Über viele Jahre versuchten Brauereien aus der ganzen Steiermark die Zunft beim Kaiser durchzusetzen, doch erst der Hartnäckigkeit der Leobener Brauereien war es zu verdanken, dass der Kaiser ein Einsehen hatte (natürlich gegen Bezahlung einer hohen Summe an Gulden). So wurde die erste „Unterredungs Versammlung" der Zunft obersteirischen Bierbrauer 1720 in Leoben abgehalten. Dabei wurde Georg Aschauer zum Oberzechmeister gewählt. Diese Funktion legte er aber bald zurück, um sich voll auf die Gaststätte „Schwarzer Adler“ konzentrieren zu können und so wurde die Truhe in einem feierlichen Umzug in das Haus seines Nachfolgers gebracht.


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