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David Reumüller Untitled, 2020

David Reumüller Untitled, 2020Freitag, 16. Oktober 2020

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM STEIERMARK

David Reumüller Untitled Gegenüber dem Knittelfeld Kulturhaus befindet sich das ehemalige, SPÖ-, Volkshochschul- und Arbeiterkammerhaus, genannt das „Neue Volkshaus“. Eigenartige Netzstrukturen haben sich über Nacht über dieses zu Abriss freigegebene Haus gelegt. Der Grazer Konzeptkünstler David Reumüller vollbrachte mit seinen zwei Künstlerkollegen Georg Dinstl und David Leitner binnen weniger Tage das Werk. David Reumüller hat einen Körper mit einem Stoff verhüllt, diesen fotografiert und ihn auf dem Computer landschaftlich neu zusammengestellt. Die daraus entstandene Grafik wurde auf das Gebäude projiziert und händisch gesprayt auf die Wände aufgebracht. Bürgermeister Harald Bergmann eröffnete am Freitag, 16. Oktober offiziell vor zahlreichen Kunstinteressierten dieses außergewöhnliche Kunstprojekt. Das Projekt ist eine Kooperation mit Kunst im Öffentlichen Raum Steiermark. Elisabeth Fiedler, die Leiterin des Instituts für Kunst im Öffentlichen Raum, hat die Arbeit beschrieben.

Beschreibung: Elisabeth Fiedler

Gegenüber dem Knittelfelder Kulturhaus befindet sich das ehemalige SPÖ-, Volkshochschul- und Arbeiterkammerhaus. Eigenartige Netzstrukturen haben sich in unglaublicher Rasanz sukzessive über dieses zum Abriss freigegebene Haus gelegt. Gleich einem undurchdringbaren Netz verzerrt es ein von Menschen geschaffenes, zweckgewidmetes, multifunktionales Gebäude aus den 1960er-Jahren. So wird ausgerechnet kurz vor dem Abbruch das Verhältnis von Werden und Vergehen, Auftauchen und Verschwinden, Erinnerung und Zukunftsvisionen deutlich und öffentlich ins Bewusstsein gerückt, neu reflektiert und diskutiert. Fragen wie Was soll das bedeuten? Was ist der Sinn? Welche Relevanz hat diese Aktion in ihrer Kurzfristigkeit und was soll hier weiter passieren? stellen sich im und für den öffentlichen, den sozialen, kulturellen und gemeinschaftlichen Raum und Aspekt ebenso wie Handelt es sich hier um ein Muster, eine Textur? Ist das Tarnung oder Offenlegung?

In einzigartiger Ausprägung vermittelt eine überdimensionale Zeichnung Zusammenhalt und Zerfall, Verhüllung und Sichtbarmachung. Dies hat zur Folge, dass wir unterschiedliche Realitätsebenen gleichzeitig wahrnehmen können bzw. zwischen ihnen switchen. Je nach inhaltlicher und formaler Tiefenschärfen-Einstellung, je nach Zoom und Betrachtungsstandort öffnen sich unterschiedliche Bilder und Vorstellungswelten. Differente Oberflächen und Tiefenwirkungen wechseln einander ab und geben vielschichtige Bedeutungsvarianten und Layer frei.

Mit dieser vexierbildhaften Möglichkeitsvielfalt eröffnet uns David Reumüller auch Einblicke in die Diversität des Seins. Fragt man sich, ob man es hier mit der analogen oder der digitalen Wirklichkeit zu tun hat, so ist beides wahr. Denn wir leben in einer neuronalen Welt. Anatomisch und biologisch verweist das Wort „neuronal“ auf Nerven und Nervenzellen sowie deren Funktionsweisen, also eine körperliche Analogie, in der Informatik bezeichnet es künstliche Netzwerke, die sich ständig lernend weiterentwickeln.

Reumüller nutzt diese Digitalisierung, suggeriert algorithmische Verfahren, bleibt in seiner Ausführung aber analog. Wir versuchen, ein System zu erkennen, Codes zu entschlüsseln, wie wir auch bestimmte Symbole oder Formgebungen unterschiedlichen Kulturkreisen zuordnen, sie einteilen und bewerten. Nehmen wir nur das zu erkennen Geglaubte als wahr an oder ist es möglich, auch ein Dahinter zu erkennen? Diese philosophischen und analytischen Fragen werden hier formal verhandelt und subkutan unmittelbar spürbar.

Tatsächlich hat David Reumüller einen realen Körper mit Stoff verhüllt, diesen fotografiert, ihn auf dem Computer landschaftsähnlich neu zusammengesetzt. Die daraus entstandene Grafik wurde auf das Gebäude projiziert und händisch an die Wand aufgebracht. Es gibt einen Standort, von dem aus die Urform erkennbar ist. Bewegt man sich aber weiter, verschwimmen Realität und Vorstellung aufs Neue, wir werden irritiert und konzentrieren uns gleichzeitig plötzlich auf ein über lange Zeit unbeachtetes Konstrukt kurz vor dem Verschwinden.

Fotocredit: murtalinfo


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