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Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: "Wenn Neugierde verbindet"

Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: Mittwoch, 8. September 2021

Liebe Leserinnen und Leser, hier auf murtalinfo schreibt heute die Fohnsdorfer Poesiepädagogin Birgit Krenn über " Wenn Neugierde verbindet". Wie neue Welten entstehen und wie Romane geschrieben werden.

Wenn Neugierde verbindet

Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich vor einigen Jahren mit einer Freundin geführt habe. Ich weiß nicht mehr genau, was ich sagte, nur, dass sie es als Kränkung oder Beleidung hätte aufnehmen können. Stattdessen stellte sie mir eine Frage: „Wie meinst Du das?“ Ich fand ihre Reaktion bemerkenswert. Sie hätte auch „Wieso sagst Du das?“ fragen können. In beiden Fällen hätte es mir die Gelegenheit gegeben, mich zu erklären bzw. über meine eigenen Beweggründe nachzudenken.

Wenn ich mit einer neuen fiktiven Figur beschäftigt bin, verwende ich viel Zeit darauf, sie erst einmal kennenzulernen. Wer ist das? Was sind ihre Beweggründe? Worin besteht ihre Brüchigkeit? Ihre Bedürftigkeit? Ihre Widersprüchlichkeit? Was ist ihre größte Sehnsucht? Worin liegt ihre größte Angst? Fiktive Charaktere funktionieren nach denselben Kriterien wie wir. Sie sind komplexe Wesen und es gelten die Gesetze von Ursache und Wirkung, verknüpft mit etwas freiem Willen. Wie im richtigen Leben auch, ist die Frage nach der Motivation, nach dem, was sie antreibt, eine wesentliche. Das führt zu Glaubwürdigkeit. So entstehen Charaktere, die so authentisch sind, dass wir bereit sind, viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir fühlen mit ihnen, wir identifizieren uns mit ihnen, spüren Traurigkeit, wenn der Abschied naht und erinnern uns Jahre später noch an sie.

Dann gibt es da noch den Genre-Roman. Hier wird die leichte Unterhaltung gesucht und geschätzt, das Nicht-zu-sehr-berührt-Werden, nicht zu viel nachdenken müssen. Die Figuren müssen nicht glaubwürdig sein, sondern nur unseren Erwartungen entsprechen. Unseren Vorstellungen davon, wie sich eine Figur in einem Arztroman, einem Liebesroman etc. zu verhalten hat. Es gibt konkrete Zuordnungen, Verkürzungen, für eine leichte, schnelle Lektüre, die mit dem richtigen Leben nicht viel zu tun hat und für uns Leserinnen und Leser auch nicht viel zu tun haben soll. Genre-Romane bedienen Klischees. Die gibt es im richtigen Leben auch. Dort nennt man sie Vorurteile. Wir sehen jemanden an, oder hören einen Satz und wissen schon ganz genau, was zu erwarten ist. Wir brauchen nicht nachzufragen. Wir können uns die Neugierde sparen. Wir wissen ja schon alles.

Nicht wissen ist verunsichernd. Das ist kein angenehmes Gefühl. Unser Gegenüber/eine Situation einschätzen zu können, ist wichtig und gut. Die eigenen Grenzen erkennen zu können, ist wichtig und gut. Die der anderen respektieren zu können auch. Das erscheint mir zunehmend schwieriger, in einer Welt, die auf die Größe einer Nadelspitze zusammenschrumpft.
Verkürzungen machen alles ein bisschen einfacher. Sie helfen uns, Erfahrungen einzuordnen. Sie helfen uns nicht dabei, ein besseres Verständnis füreinander und für die Welt zu entwickeln. Eine Welt, die sich ständig verändert und uns viel Beweglichkeit abverlangt. Zumindest das wird sich nicht ändern.

Wir leben in verunsichernden Zeiten, wir dürfen verunsichert sein – und trotzdem weitergehen. Schritt für Schritt. So werden Romane geschrieben. So entstehen neue Welten.

 

Birgit Krenn unterstützt und motiviert Schreibfreudige mit ihrem Unternehmen „Erlebnis Sprache“.
Seit 2008 gibt sie Kurse für Kreatives Schreiben und individuelles Schreibcoaching im Oberen Murtal und in Graz, aktuell auch online.
Kontakt: birgit.krenn@erlebnissprache.at oder www.erlebnissprache.at


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