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Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: "Gehört werden ist wichtig – zuhören auch"

Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: Donnerstag, 16. Dezember 2021

Liebe Leserinnen und Leser, hier auf murtalinfo schreibt heute die Fohnsdorfer Poesiepädagogin Birgit Krenn über "Gehört werden ist wichtig – zuhören auch". „Tritt zurück und höre.“, sagt Julia Cameron und meint damit das Schreiben. „Tritt zurück und höre“ zitiert sie und meint damit, die Stimmen um sich herum auszublenden, damit sie sich selbst wieder gut wahrnehmen, gut hören kann.

Gehört werden ist wichtig – zuhören auch

„Es wurde schon alles gesagt. Es wurde schon alles gedacht.“ So beginnt einer meiner ersten Texte, der Anerkennung fand.

Als junges Mädchen hatte ich jede Menge Menschen um mich, die immer sehr genau wussten, was für mich das Beste war. Was ich damals schon erstaunlich fand, weil keiner von ihnen sich die Mühe gemacht hatte, auch nur ein einziges aufrichtiges Gespräch mit mir zu führen. Das war schmerzhaft und zugleich verwirrend. Aber was weiß man schon vom Leben, wenn man jung ist … So zumindest dachte man damals.

Es gibt immer jemanden, der es besser weiß, was auch immer „es“ sein soll. Die Ansichten sind auf vielfältige Weise unterschiedlich, ob zu Fragen der Kindererziehung,  der Ernährung, finanziellen Anlagen oder der Fußbodenpflege. Ungefragt auf so viel Meinung, schlimmer noch – Überzeugung – zu stoßen, ist lästig und unangenehm, aber es gibt auch das andere. Den Moment der Erleichterung, der Versicherung, der Bestätigung, den man bei anderen finden kann, wenn man Rat sucht. Wenn der eigene Horizont erweitert wird und man durch andere auf einen Aspekt aufmerksam wird, den man noch nicht bedacht hat, der einem selbst nicht eingefallen war oder die erleichternde Zufriedenheit, wenn man erkennt, dass man mit seiner Haltung, seinen Gedanken nicht alleine ist.

Dass es zu viele ungefragte Meinungen in meinem Leben gab, hat möglicherweise mit dazu beigetragen, mich für andere zu öffnen. Mit dazu beigetragen, dass es mir relativ leicht fällt, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen, auch ein Stück weit nachzuvollziehen, unabhängig davon, was ich persönlich für gut oder richtig halte. Dieses grundlegende Verständnis hilft mir, unterschiedliche Figuren zu entwerfen und wenn schon nicht Sympathie, dann aber doch Mitgefühl für Charaktere zu entwickeln, die mir selbst fremd sind. Beruflich gesehen ist das also außerordentlich hilfreich.

Wir wollen alle gehört werden, wenn auch nicht jede(r) ein großes Publikum dafür braucht. Manchmal reicht uns ein Blatt Papier und die eigene Aufmerksamkeit.

Jede gute Geschichte braucht einen glaubwürdigen Gegenspieler, jemanden oder etwas, das sich der Hauptfigur in den Weg und zugleich die Figur auf die Probe stellt. Das kann eine Person sein, eine Stadt, eine Krankheit, ein Geist. Wichtig ist, dass es sich dabei um einen ebenbürtigen Gegenspieler handelt. Jemanden, den man ernst nimmt, der nicht zur lächerlichen Schablone verkommt. Um das zu erreichen, muss ich zumindest als Schreibende für einige Zeit die Perspektive wechseln.

Auch ich habe meine persönlichen Wertigkeiten und damit verbunden meine persönlichen Grenzen, wo ich nicht mehr mithalten kann und auch nicht mehr mithalten mag. Schwierig wird es für mich dann, wenn ich diese Grenzen nicht mehr gut wahrnehmen kann. Das macht mich unzufrieden und schlecht gelaunt, weil es im oder am Gemüt hinten und vorne zwickt, wie ein zu enges Kleidungsstück.  

Die Welt ist voller Stimmen, die immer lauter und eindringlicher werden und alle haben sie Recht. Das macht mich misstrauisch und lässt mich zurückschrecken. Dann wird es Zeit für Stille. Dann müssen die Stimmen draußen bleiben, damit ich mich auf das konzentrieren kann, was tatsächlich vor mir liegt. Auf das, was ein tatsächlicher Teil meines greifbaren Lebens ist, damit ich mich wieder damit verbinden kann. Das Bad putzen, einen Kuchen backen, Schnee schaufeln. Dinge tun, die mich bei mir selbst belassen, damit die Gedanken zur Ruhe kommen können, um das Eigene vom Fremden zu trennen. Manchmal braucht es die Konfrontation, den Streit, die Emotion dahinter, um herauszufinden, wo man steht. Die Frage ist, wie streite ich? Wie kann ich gut anderer Meinung sein ohne alle Brücken niederzureißen? Manchmal ist es leichter, den Stimmen nachzugeben, die so laut und selbstsicher sind. Es ist einfacher und weniger einsam, dort hinzugehen, wo es sich zumindest so anfühlt, als ob man einer Meinung sein könnte. Wo man sich, zumindest im Ansatz, bestätigt und angenommen fühlt. Es ist verführerisch.

„Tritt zurück und höre.“, sagt Julia Cameron und meint damit das Schreiben. „Tritt zurück und höre“ zitiere ich und meine damit, die Stimmen um mich herum auszublenden, damit ich mich selbst wieder gut wahrnehmen, gut hören kann. Weil ich bei all den Stimmen da draußen eigentlich nur das Gefühl habe, dass irgendetwas fehlt. Es wurde noch nicht alles gesagt. Es wurde noch nicht an alles gedacht.   

Birgit Krenn unterstützt und motiviert Schreibfreudige mit ihrem Unternehmen „Erlebnis Sprache“.
Seit 2008 gibt sie Kurse für Kreatives Schreiben und individuelles Schreibcoaching im Oberen Murtal und in Graz, aktuell auch online.
Kontakt: birgit.krenn@erlebnissprache.at oder www.erlebnissprache.at


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