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Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: "Wer A sagt, muss auch losgehen"

Poesiepädagogin Birgit Krenn schreibt über: Montag, 17. Januar 2022

Liebe Leserinnen und Leser, hier auf murtalinfo schreibt heute die Fohnsdorfer Poesiepädagogin Birgit Krenn über "Wer A sagt, muss auch losgehen". So geht es uns auch im Alltag. Das Leben ist ein beständiger Ablauf von großen und kleinen Entscheidungen, schreibt sie. Also loslegen und gleich den Artikel lesen.


Wer A sagt, muss auch losgehen

Wenn ich schreibe, muss ich Entscheidungen treffen. Ich wähle aus unzähligen Möglichkeiten und lege mich dann fest. Ich treffe Entscheidungen, die das Aussehen meiner Figuren betreffen, ihren Charakter, ihre Lebensgeschichte. Ich entscheide über den Tonfall, in dem ich die Geschichte erzählen möchte und den Blickwinkel, aus dem ich auf die Figuren schaue. Wer erzählt die Geschichte? Eine Instanz, die über allem steht, jemand, der Teil der fiktiven Welt ist etc., etc.

So geht es uns auch im Alltag. Brauche ich schon Handschuhe oder doch noch nicht? Zieh ich die rote oder die grüne Bluse an? Nehme ich den Schirm mit oder bleibt er da? Pizza oder doch besser Salatplatte? Lasse ich mich auf einen neuen Menschen ein oder lieber nicht? Wähle ich die Ausbildung, die ich mir wünsche, von der mir aber keiner zutraut, dass ich sie schaffe oder gehe ich auf Nummer sicher und entscheide ich mich für die Ausbildung, die meine Eltern für mich gewählt haben, die mich aber wenig anspricht? Das Leben ist ein beständiger Ablauf  von großen und kleinen Entscheidungen.

Sehr oft sind unsere Informationen nicht ausreichend, um das Resultat unserer Entscheidungen vorhersehen zu können. Sicher ist aber, dass sich aus der Art unserer Entscheidung eine Konsequenz ergibt. Wähle ich z. B. von drei möglichen Wegen, rechts, links oder geradeaus, den rechten Weg, befinde ich mich auf dem rechten Weg, das gilt auch für den linken oder den, der geradeaus führt. Durch meine Entscheidungen werde ich bestimmte Erfahrungen machen und andere versäumen bzw. nicht machen.

Beim Schreiben spricht man von Folgerichtigkeit. Wenn es für den Verlauf der Geschichte wichtig ist, dass die Figur bis auf die Knochen durchnässt wird, dann darf sie an einem verregneten Tag keinen Schirm bei sich haben. Der Grund bzw. das Motiv dafür kann ganz unterschiedlich sein und reicht von einfach vergessen bis hin zu kompletter Sorglosigkeit und naivem Optimismus angesichts eines sich verdunkelnden Himmels. Wichtig dabei ist vor allen Dingen die Glaubwürdigkeit innerhalb der erzählten Welt. Die Figur braucht ein glaubwürdiges Motiv, eines, das zu ihr und ihrem Wesen, ihrer persönlichen Geschichte passt, um ohne Schirm in einen Regenguss zu kommen. Die Figuren treffen eine Entscheidung, setzen eine Handlung oder auch nicht und daraus ergibt sich der nächste Schritt, die logische Konsequenz, die ihre Geschichte und ihr Geschick vorantreibt. Dieser Dynamik kann ich mich als Schreibende nicht entziehen. Möchte ich das Geschick meiner Figuren in eine Richtung treiben, die mir besser gefällt, aber dem Gesetz der Folgerichtigkeit nicht mehr entspricht, wird meine Geschichte und meine Figur unglaubwürdig, der Verlauf wird diffus und verwirrend und der Text verliert an Spannung und Halt.


Die möglichen Konsequenzen meiner Entscheidungen mögen mir nicht gefallen, dennoch treffe ich eine Wahl. Es besteht immer die Möglichkeit, schlechte Entscheidungen zu treffen. Was ein Segen ist und was ein Fluch, zeigt sich oft erst aus der zeitlichen Distanz. Etwas in uns will auf Nummer sicher gehen und genau wissen, wie die Sache ausgeht, bevor wir uns auf etwas einlassen. Den neuen Menschen, den neuen Job, die Reise in ein unbekanntes Land. Es liegt nicht in unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten, den Ausgang einer Entscheidung komplett vorherzusehen. Wir müssen uns schon auf den Weg machen, um das herauszufinden. Es ist in Ordnung, Erfahrungen zu machen, auch solche, die uns nicht gefallen. Es ist in Ordnung, seine Meinung zu ändern. Zumindest aus beruflicher Sicht kann ich sagen, dass nichts vergeblich ist. Alles, was ich auf meinem Lebensweg gelernt habe, kam irgendwann wieder zum Einsatz und hat mir schon manches unerwartete, aber hilfreiche Aha-Erlebnis verschafft.


Wer kreative Arbeit leistet, weiß, dass der Versuch Teil der Arbeit ist. Nur so kann ich erkennen, was funktioniert und was nicht.

Birgit Krenn unterstützt und motiviert Schreibfreudige mit ihrem Unternehmen „Erlebnis Sprache“.
Seit 2008 gibt sie Kurse für Kreatives Schreiben und individuelles Schreibcoaching im Oberen Murtal und in Graz, aktuell auch online.
Kontakt: birgit.krenn@erlebnissprache.at oder www.erlebnissprache.at

 

 


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